Im Coffee Triangle Kolumbiens

Aus der Großstadt geht es in erstaunlich schnellen drei Stunden nach Salento, einem der bekanntesten Orte in der Kaffeeregion Kolumbiens. Die Bekanntheit in Kombination mit dem Wochenende führt dann dazu, dass die kleine Stadt von Touris überlaufen ist. Nicht nur die Gringos – immerhin ist Salento unsere erste Station auf dem Gringo Trail, sondern vor allem kolumbianische Wochenendurlauber bevölkern den kleinen Ort. Der Ort mit seinen bunten Fassaden gefällt uns auch, aber primäres Ziel ist das Cocora Valley, das wir in 30 Minuten im offenen 50er-Jahre-Jeep erreichen. Wir wandern zunächst entlang von Kuhweiden und durch Nebelwald zum höchsten Punkt. Das ist aber nur Beiwerk, denn die eigentliche Attraktion sind Wachspalmen, die 45m und in seltenen Fällen bis zu 60m hoch werden. Die Stämme sehen dabei aus wie überdimensionierte Zahnstocher. Das Tal ist beliebtes Fotomotiv und wir wurden Zeuge, wie diverse neue Insta-Fotos geschossen wurden, um den sowieso schon gut gefüllten #cocoravalley-Hashtag weiter zu bereichern. Eine Dame macht sich für die Fotos trotz kühler Temperaturen obenrum großzügig frei, um besonders viele Likes abzustauben. Albern.

Außerdem machen wir einen Abstecher zu einer kleinen, rein ökologisch bewirtschafteten Kaffeefarm. Auf 2,5 Hektar erntet die Familie etwa 1 Tonne getrocknete Kaffeebohnen pro Hektar und vertreibt diese nur direkt an Farmbesucher und einen kleinen Laden im Ort. Zwischen den Kaffeepflanzen wachsen einige Zitrusfrüchte und Bananenstauden, die zusammen ein Ökosystem bilden, das ohne Pestizide und künstliche Dünger auskommt. Besonders interessant und neu für uns: Bananenstauden speichern viel Wasser, geben es in trockenen Zeiten an den Boden ab und dienen so als „künstliche“ Bewässerung. Der Guide fährt mit dem Finger in den Stamm der Staude und wie aus einem Schwamm quillt Wasser hinaus. Der Kaffee selbst hat uns ehrlicherweise nicht sooo gut geschmeckt, aber wir haben trotzdem ein Paket mitgenommen.

Im Anschluss geht es weiter nach Filandia, das ein viel authentischeres Flair versprüht als Salento. Hier gehen die Locals noch ihrem Tagewerk rund um den schönen, mit bunten Häusern umgebenen Hauptplatz nach. Rund um den Ort liegt eine sanfte, grüne Hügellandschaft, die wir zu Fuß, zu Pferd und auf dem Rad erkunden wollten. Leider machen uns leichte Beschwerden im Verdauungstrakt einen Strich durch die Rechnung und wir verbrachten zwei ruhige Tage im und auf dem Örtchen.

Unser letzter Stop im Coffee Triangle ist Manizales, wo wir in einer traumhaften Unterkunft an einem Hang mit tollen Blicken schlafen. Der Inhaber kümmert sich liebevoll um seinen großen Garten mit den vielen Blumen, Obstbäumen und Tieren. Es war so schön, dass wir zwei tolle Tage in der Unterkunft mit Rätseln (PM Logik, damit das Hirn nicht einrostet), Lesen  und Vögel füttern verbringen. In einer großzügigen Voliere fiepen zig Sittiche, zwei Papageien und einige andere Vögel um die Wette. Die beiden Papageien „unterhalten“ sich jeden Morgen, indem der eine etwas sagt und der andere mit hysterischem Lachen antwortet. Noch im Bett liegend, müssen wir uns mehrfach mit kaputtlachen. Wir machen einen Abstecher zur Hacienda Venecia, einer deutlich größeren und konventionell betriebenen Kaffeefarm. In 2,5 Stunden tauchen wir in die Kaffeewelt ein und lernen viel über Anbau, Verarbeitung und Zubereitung. Grundsätzlich wird guter Kaffee hier deutlich weniger stark geröstet, wodurch er weniger bitter, aber dafür etwas saurer ist. Die natürlichen Geschmacksnoten des Kaffees kommen so viel besser durch, da eine starke Röstung diese Stoffe verbrennt und der Kaffee eben primär bitter wird. So könnte ich mich vielleicht noch ans Kaffeetrinken gewöhnen.

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